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Ziel der Forschungen

Interdisziplinäre Gewalt- und Konfliktforschung mit spezifischen Aufgaben und Beiträgen.

Interdisziplinäre Gewaltforschung und die drei Ebenen der Gewalt

Die Forschungssektion des Think Tanks „HeMiKa gGmbH" verfolgt das Ziel, in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten fundierte interdisziplinäre Forschung zu den Ursachen, der Prävention und den Folgen zwischenmenschlicher Gewalt zu betreiben. Im Zentrum steht dabei der Anspruch, zur wissenschaftlichen Durchdringung unterschiedlicher Gewaltformen im gesamten Lebensverlauf beizutragen, von psychischer Gesundheit und Aggression über Mobbing und dessen Prävention bis hin zu organisierter Kriminalität, Selbstjustiz sowie der Entwicklung und Evaluation von Gewaltpräventionsprogrammen. Um der Vielschichtigkeit dieses Gegenstandsbereichs gerecht zu werden, verfolgt der Think Tank „HeMiKa gGmbH" einen konsequent interdisziplinären Forschungsansatz, der theoretische Konzepte und empirische Erkenntnisse aus Kriminologie, Psychologie, Biologie, Soziologie, Politikwissenschaft und Geschichtswissenschaft systematisch zusammenführt. Darüber hinaus strebt der Think Tank „HeMiKa gGmbH" eine enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und institutionellen Entscheidungsträgerinnen auf nationaler wie internationaler Ebene an, mit besonderem Fokus auf jene Länder und Forschungsgemeinschaften, die gemeinsame thematische Interessen und komplementäre Forschungsperspektiven einbringen.

Das zentrale Forschungsproblem des Think Tanks „HeMiKa gGmbH" ergibt sich aus der Beobachtung, dass unterschiedliche Formen von Gewalt selten isoliert auftreten, sondern sich gegenseitig verstärken, überlagern und in ihren Ursachen wie Wirkungen eng miteinander verknüpft sind. Eben diese Verschränkung erschwert sowohl die eindeutige Zurechnung von Verantwortung als auch die Entwicklung wirksamer Präventions- und Bewältigungsstrategien und macht eine systematische, interdisziplinäre Analyse zu einem dringlichen wissenschaftlichen wie gesellschaftlichen Desiderat. Die Bearbeitung dieses Problemkomplexes erfordert eine genuin interdisziplinäre Forschungsarchitektur: Nicht allein Nachbardisziplinen wie Soziologie, Kriminologie, Psychologie, Neurobiologie und Epigenetik, sondern gleichermaßen Expertisen aus den Bereichen Demokratieforschung, Diplomatie, Ökonomie, Ökologie und Rechtswissenschaft sind konstitutiv daran beteiligt, theoretische wie empirische Gewaltforschungsdesigns zu entwickeln, gesellschaftliche Diskurse mitzugestalten und evidenzbasierte Beratungsleistungen bereitzustellen, insbesondere dort, wo institutionelle Schutz- und Präventionsmechanismen bislang defizitär geblieben sind.

In Kontinuität mit der bereits skizzierten Paradoxie der Gewaltforschung, wonach die Invasivität von Gewalt ihre systematische Analyse funktional erschwert, erfordert eine adäquate wissenschaftliche Durchdringung des Phänomens zunächst eine Klärung der epistemologischen Voraussetzungen, unter denen Gewalt überhaupt zum Forschungsgegenstand werden kann. Wissenschaftliche Erkenntnis verlangt dabei eine reflektierte Trennung zwischen empirischer Analyse und persönlichem Werturteil, nicht als naive Voraussetzungslosigkeit, sondern als disziplinierte Haltung gegenüber einem Gegenstand, der den Forschenden unweigerlich als biographisch und kulturell situiertes Subjekt adressiert. Denn gerade angesichts der existenziellen Dringlichkeit, mit der Gewalt die ihr ausgesetzten Subjekte erfasst, besteht die latente Gefahr, dass subjektive Vorprägungen und emotionale Resonanzen des Forschenden den theoretischen Zugriff einseitig konfigurieren, ein Risiko, das umso größer ist, je näher der Forschende dem Phänomen biographisch oder historisch steht.
Vor diesem epistemologischen Hintergrund erfordert eine adäquate wissenschaftliche Durchdringung des Phänomens die analytische Differenzierung dreier Gewaltebenen, die sich in ihren Genesen, Motivationsstrukturen und sozialen Trägerschaftsverhältnissen grundlegend voneinander unterscheiden.

Die erste Ebene bezeichnet Gewalt, deren Entstehungsbedingungen im Bereich des Intrasubjektiven zu verorten sind. Sie resultiert aus pathologischen Dysbalancen zwischen affektiven Impulsen und regulativen Kapazitäten des Individuums, die sich im Verlauf seiner biographischen Entwicklung herausgebildet haben. Diese Form der Gewalt, ob als physische Übergriffe, psychische Verletzungen oder destruktive Verhaltensmuster in Erscheinung tretend sind, ist primär auf die individuelle Psychodynamik zurückzuführen und entzieht sich analog zu dem bereits beschriebenen Mechanismus der reaktiven Handlungsorientierung einer rationalen Selbstreflexion durch das handelnde Subjekt. Ihre Erforschung erfordert folglich die integrative Zusammenführung psychologischer, neurobiologischer und epigenetischer Perspektiven, wie sie im interdisziplinären Ansatz von „HeMiKa gGmbH" programmatisch angelegt ist.

Die zweite Ebene umfasst Gewalt, die sich an der Schnittstelle zwischen privater Psyche und öffentlicher Sphäre formiert. Sie emergiert dort, wo die subjektiven Überzeugungssysteme, Interessenlagen und normativen Erwartungen des Individuums in fundamentalen Widerspruch zu gesellschaftlichen Strukturprozessen, institutionellen Logiken und sozialen Steuerungsmaßnahmen geraten. Dieser Gewalttypus, der sich sowohl in interpersonaler als auch in kollektiver Form manifestieren kann, von zivilen Konflikten über sozial motivierte Gewalt bis hin zu organisierten Widerstandshandlungen, ist als reaktive Antwort auf wahrgenommene systemische Exklusion oder Deprivation zu verstehen und verweist auf jene sozialen Vermittlungsprozesse, durch die individuelle Abwehrmechanismen in kollektive Handlungsmuster überführt werden.

Die dritte Ebene schließlich bezeichnet Gewalt, die im Kontext überindividueller Machtgefüge und transnationaler Konfliktdynamiken zur Anwendung kommt. Sie ist instrumentell auf die Durchsetzung oder Destabilisierung von Ordnungsmodellen weitreichender Natur ausgerichtet und operiert jenseits der individuellen wie gesellschaftlichen Ebene in Form organisierter Gewalt, zwischenstaatlicher Auseinandersetzungen oder der systematischen Untergrabung sozialer Kohäsion. Diese Gewaltform entzieht sich besonders konsequent jeder unmittelbaren Opferperspektive, da ihre Verursachungsstrukturen diffus, ihre Verantwortlichkeiten verschleiert und ihre Auswirkungen zeitlich wie räumlich verteilt sind. Gerade deshalb bekräftigt „HeMiKa gGmbH" die Notwendigkeit einer global vernetzten Forschungspraxis: Da sich die elementarsten Herausforderungen im Bereich zwischenmenschlicher und organisierter Gewalt in einer globalisierten Welt nicht mehr auf nationaler Ebene allein bewältigen lassen, ist die Kooperation mit internationalen Forscher*innen, NGOs und Advocacy-Thinktanks nicht bloß wünschenswert, sondern wissenschaftlich wie gesellschaftlich geboten.