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Startseite · Definition von Gewalt: Facetten, Täter, Opfer

Definition von Gewalt

Eine Bestandsaufnahme der Begriffe, Akteure und Wirkungsketten — aus interdisziplinärer Perspektive.

In Kürze

Die wissenschaftliche Thematisierung von Gewalt unterliegt einer strukturellen Paradoxie: Gewalt als soziales Phänomen ist per definitionem mit einer Invasivität verbunden, die ihre analytische Durchdringung systematisch erschwert. Indem Gewalt in das Leben ihrer potenziellen Opfer interveniert, induziert sie bei den Betroffenen eine unmittelbare Mobilisierung von Abwehrmechanismen und Schutzreflexen, die eine distanzierte Beobachterperspektive funktional ausschließt. Victimisierung, ob realisiert oder antizipiert, zwingt das betroffene Individuum in einen Modus reaktiven Handelns, der auf die Minimierung unmittelbarer Bedrohung ausgerichtet ist. Die für wissenschaftliche Analyse konstitutive Haltung der Distanznahme und theoretischen Reflexion ist unter diesen Bedingungen nicht praktizierbar: Die Frage nach den strukturellen Eigenschaften und den Wirkungsmechanismen von Gewalt tritt zwangsläufig hinter die praktische Notwendigkeit zurück, adäquate Handlungsoptionen zu generieren. Eine theoretische Auseinandersetzung mit Gewalt als solcher wird dabei nicht nur als funktional unangemessen, sondern auch als normativ fragwürdig markiert, da sie dem subjektiven Erleben von Dringlichkeit und Leid keine hinreichende Anerkennung zuteilwerden zu lassen scheint.

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